Chronik der Vereinsgemeinschaft Windecken e.V. und der Altstadtfeste 1980 – 2000
Die Gründung des für Windecker Verhältnisse relativ jungen Vereines, der Vereinsgemeinschaft Windecken e.V., abgekürzt VGW, erfolgte im Jahr 1993 mit dem ersten Vorstand:
1.Vorsitzender Fritz Keim
2.Vorsitzender Horst Schaub
Beisitzer Rüdiger Storost
Kassierer Josef Apel
Der eigentliche Ursprung jedoch ist verbunden mit der Entstehungsgeschichte der -inzwischen- traditionellen Windecker Altstadtfeste und liegt noch einmal weitere dreizehn Jahre zurück.
In den Jahren 1980 und 1981 anlässlich des Tages der offenen Tür bei der Freiwilligen Feuerwehr Windecken wurde von einigen Vereinsvorsitzenden der Vorschlag diskutiert:
„Wir könnten doch einmal ein Altstadtfest auf dem Windecker Marktplatz machen.“
Dieser Gedanke fiel bei den Anwesenden auf einen sehr fruchtbaren Boden und eine kleine Arbeitsgruppe (Ludwig Bauer, Fritz Keim und Horst Körzinger) traf sich im Anschluss noch drei bis vier Mal, um den Faden weiterzuspinnen.
Im August 1981 war es dann soweit: die Vertreter der Windecker Vereine wurden zu einem Informationsgespräch eingeladen, um festzustellen, ob bei den Vereinen überhaupt Interesse für ein Altstadtfest bestünde. Nach eingehender Diskussion der Sachlage und vielen für und wider wurde von den Anwesenden beschlossen:
„Man sollte es mal versuchen“
Eine Vielzahl von notwendigen Arbeitsschritten war die Folge. Jeder Topf braucht einen Deckel und jeder Verein einen Stellplatz auf dem Marktplatz. Die Platzeinteilung war somit genauso ein Hauptanliegen wie die Frage nach dem Speisen- und Getränkeangebot der teilnehmenden Vereine. Überschneidungen sollten bereits damals wie auch heute nach Möglichkeit vermieden werden, um den Gästen ein breit gefächertes Angebot offerieren zu können.
Mit der Erstellung eines Werbeplakates wurde der in Eichen ansässige Maler und Grafiker Fritz Mewes beauftragt. Der gelungene Entwurf zeigt die Ansicht des alten Rathauses mit der Heldenberger Straße sowie den Turm der evangelischen Stiftskirche und ist bis zum heutigen Tag als Vorlage für Handzettel und Plakate im Einsatz.
Auf der Rückseite laden die Windecker Vereine die Nidderauer Bürger und alle Gäste zur Veranstaltung ein.
Für den Auftakt des Festes wurde ein Festumzug geplant, in welchem alle beteiligten Vereine in ihrer typischen Tracht oder Vereinskleidung unter Einbeziehung der jeweiligen Vereinsfahnen mitlaufen sollten.
Festgelegt wurde auch, dass der Aufbau der Stände auf dem Windecker Marktplatz so einfach wie möglich gehalten wird, damit auch weniger finanzkräftige Vereine die Möglichkeit erhielten, an der Veranstaltung teilzunehmen und eine optisch weitgehende Anpassung der Stände hergestellt werden konnte.
Als Geldverwalter fungierte Karl-Heinz Fuß, der von Ludwig Bauer hinzugezogen worden war; als Sprecher der Vereine gegenüber der Stadt wurde Horst Körzinger benannt.
Nach Abschluss der umfangreichen Vorplanungen -/und arbeiten war es dann am Wochenende des 21. und 22.August 1982 soweit.
Das erste Altstadtfest unter dem Motto: „Altstadtfest in Nidderau – Windecken“ wurde auf dem historischen Windecker Marktplatz unter großer Akzeptanz und Beteiligung der Bevölkerung gefeiert.
Die entstandenen Kosten wurden von TVW, Sängervereinigung und Freiwilliger Feuerwehr Windecken vorgestreckt, später erfolgte eine Sammlung unter den beteiligten Vereinen und die vorgelegten Gelder wurden zurückgezahlt.
Ab 1983 sollte das Altstadtfest nach weitreichender Diskussion der Vereine nur noch alle zwei Jahre durchgeführt werden. Hauptgründe hierfür waren insbesondere die Angst vor einer evtl. Übersättigung der Bevölkerung, aber hauptsächlich auch Probleme bei einigen Vereinen, zu den Festen das notwendige Personal aktivieren zu können. Hierbei erhoffte man sich vom zweijährigen Rhythmus eine größere Bereitschaft zum freiwilligen Dienst.
In den Jahren 1984 und 1985 folgten das zweite und dritte Altstadtfest, welche jeweils eine große Unterstützung und Zuspruch der heimischen Bevölkerung, aber auch vieler Gäste aus nah und fern fanden.
1985 wurde nach Gesprächen zwischen den Vereinen, der Stadt und den Hauseigentümern am Marktplatz die Illumination der Häusergiebel beschlossen. Die Kosten wurden von der Stadt, den Vereinen und einigen Hauseigentümern getragen.
Damit hatte der Marktplatz nicht nur für sein Altstadtfest, sondern auch für die Märkte und vor allem zur Weihnachtszeit, ein sehr attraktives Bild bekommen, welches Besucher immer wieder anzieht.
Das kulturell hochstehendste und vielfältigste Ereignis fand am 17. und 18.Juli 1993 statt, als das Altstadtfest unter dem Motto:
„ÜBER EUROPA HINAUS: GEMEINSAM IN NIDDERAU“
in Form eines Folklorefestivals durchgeführt wurde. Hierbei traten u.a. ein russisches Kinderballett, Flamenco-Tänzerinnen sowie Folkloregruppen aus Italien, Spanien, Ungarn und Bosnien auf und boten ein großartiges Bild. Hier war ein multikultureller Volksfestcharakter pur zu erleben.
Bei den Altstadtfesten in den neunziger Jahren wurde immer wieder Attraktives für die Besucher geboten, die vor allem den Marktplatz als großes Wohnzimmer empfanden.
Als weitere Unterhaltungsgäste konnten seither die Stadtkapelle Eichen, die Dixie Gruppe „Schobse River Boat Band“ und die Stadtkapelle aus der Windecker Partnerstadt Gehren, die Spielmannszüge der Freiwilligen Feuerwehren aus Heldenbergen, Kaichen und Kilianstädten, der Posaunenchor Windecken sowie nicht zu vergessen die aus Funk und Fernsehen bekannte Sweet Soul Band „Harris & Harris“ mit einem unvergessenen Open Air Konzert auf dem Marktplatz begrüßt werden.
Wie ein roter Faden verbindet der ökumenische Gottesdienst am Sonntag Morgen auf dem Marktplatz die Reihe der Altstadtfeste.
Der Gottesdienst unter freiem Himmel zieht viele Besucher an und hat einen besonders verbindenden Charakter.
Nach intensivsten Verhandlungen mit der Stadt Nidderau wurde den Vereinen der gesamte Fundus der 700-Jahrfeier der Stadt Windecken in 1988 übergeben. Als offizieller Treuhänder eingesetzt wurde Fritz Keim, der bis zum heutigen Tage den Fundus verwaltet und die eingehenden Leihgebühren für die zumeist überaus prachtvollen Kostüme auf das zwischenzeitlich eingerichtete Konto der VGW weiterleitet.
Zusammen mit dem Bankkonto musste auch eine feste Kasse eingerichtet werden. Nach Karl-Heinz Fuß übernahm nunmehr Josef Apel die Kasse der VGW und verwaltete diese bis zum Jahr 1995, anschließend wurde Karl-Heinz Schüler neuer Kassierer.
Als Horst Körzinger im Jahre 1989 als Sprecher der Windecker Vereine zurücktrat, firmierten diese noch in loser Verbindung unter dem Namen „Vereinsgemeinschaft Windecken“ ,(abgekürzt VGW). und wählten den ersten Vorsitzenden der Freiwilligen Feuerwehr Windecken, Fritz Keim, zu ihrem 1. und Horst Schaub zum Schriftführer und 2.Vorsitzenden.
Fritz Keim wurde im August 1989 im Rathaus in Windecken von den Vertretern der anderen Stadtteile zum Sprecher aller Nidderauer Stadtteile ernannt. Anwesend hierbei waren Bgm. Willi Salzmann, Stadtrat Manfred Reuter, Stadtrat H.T. Freywald als Vertreter der Vereine, Oswald Schmidt aus Eichen, Walter Woller aus Erbstadt, Herbert Zimmermann aus Heldenbergen, Heinrich Köppel aus Ostheim und Fritz Keim aus Windecken. Letztgenannter übte das Amt bis 1995 aus. Bis zum heutigen Datum wurde kein neuer Sprecher gewählt.
Ab 1990 trat die VGW mehrfach auch als Ausrichter des traditionellen Windecker Herbstmarktes in Erscheinung, insbesondere wenn Einzelvereine die Durchführung nicht übernehmen konnten oder wollten.
1991 schlossen sich alle fünf Nidderauer Stadtteilvereinsgemeinschaften anlässlich der Verabschiedung von Bürgermeister Willi Salzmann zusammen und präsentierten im Festzelt hinter der damaligen Schloßberghalle (heute Willi-Salzmann-Halle) einen
„Abend der Nidderauer Vereine“
Eröffnet wurde diese Veranstaltung durch einen Sternmarsch der Musikzüge und Feuerwehren aller Nidderauer Stadtteile. Als Hauptredner fungierte Fritz Keim von der VGW.
Die Windecker Vereine sahen mittlerweile angesichts wachsender Aufgaben die Notwendigkeit, die VGW als eingetragenen Verein zu etablieren.
Der neue Vorstand unter Fritz Keim und Horst Schaub erarbeitete eine Satzung, welche die gemeinnützigen Ziele der Vereinsgemeinschaft besonders hervor hob. Das Amtsgericht und das Finanzamt Hanau haben dem Satzungsentwurf ohne Einwendungen zugestimmt.
Mit der Gründungsversammlung am 18.01.1993 und der offiziellen Wahl des Vorstandes wurde die Vereinsgemeinschaft Windecken als „Vereinsgemeinschaft Windecken e.V.“ in das Vereinsregister eingetragen.
Satzungszweck und Ziel:
§2 Der Verein hat als Aufgabe die gemeinnützige Förderung des kulturellen Vereinslebens der Windecker Vereine.
Mitgliedschaft:
§3 Mitglied des Vereins können alle Vereine in Windecken werden.
Unterschrieben wurde die Satzung von: F. Keim, H. Schaub, J. Apel, R. Storost, G. Neumaier, E. Reul und K. Klosterbecker.
1995 trat Fritz Keim krankheitsbedingt als 1.Vorsitzender zurück. Sein Nachfolger in diesem Amt wurde Horst Schaub. Damit setzte sich der Vorstand wie folgt zusammen:
1.Vorsitzender: Horst Schaub
2.Vorsitzender: Rüdiger Storost
Schriftführer: Gerhard Kuchler
Kassierer: Karl-Heinz Schüler
Am 22.02.1995 wurde Fritz Keim zum Ehrenvorsitzenden der VGW ernannt.
Anlässlich der Ausrichtung des Herbstmarktes im Jahre 1998 wurde ein Festausschuss gebildet, der auch die Planungen des Altstadtfestes 2000 übernahm.
Erstmals wurde hierbei wieder der zweijährige Rhythmus durchbrochen, da im Jahre 1999 das Feuerwehrfest der Freiwilligen Feuerwehr Windecken in Verbindung mit dem Unterverbandsfest Hessen-Land anstand. Aus diesem Grund wurde die VGW um die Verlegung des Altstadtfestes auf das Jahr 2000 gebeten.
Neben der Zusammenstellung der Programmpunkte stand die Umsetzung der immer wieder notwendigen Arbeitsschritte in gegliederte Planungen mittels EDV und die Gestaltung eines ansprechenden Logos an.
Dies zeigt fünf Mosaikteile, stellvertretend für die einzelnen angeschlossenen Vereine, sowie das Wappen der Stadt Nidderau unter dem kreisförmigen Dach der Vereinsgemeinschaft. Die Auswahl der Regenbogenfarben symbolisiert die Offenheit für neue Mitglieder und Richtungen.
Auch wurde zum ersten Mal auf bereits existierenden Internet-Seiten der angeschlossenen Vereine und der Stadt Nidderau unter dem Logo der VGW auf das Altstadtfest hingewiesen.
Auf der Jahreshauptversammlung am 20.03.2000 wurde der Vorstand um zwei Beisitzer erweitert. Gleichzeitig wurde der aus persönlichen Gründen nicht mehr kandidierende 2.Vorsitzende Rüdiger Storost durch Jürgen Hopf ersetzt.
Der neue Vorstand hatte damit folgendes Aussehen:
1.Vorsitzender: Horst Schaub
2.Vorsitzender: Jürgen Hopf
Schriftführer: Gerhard Kuchler
Kassierer: Karl-Heinz Schüler Beisitzer: Thomas Euler und Heinz Hartmann
Im Rahmen einer Pressekonferenz am 23.Juli 2000 im Vereinsheim der Eintracht Sportfreunde Windecken wurde den anwesenden Redakteuren ein Vorabendwurf dieser Chronik zusammen mit dem Programmablauf des Altstadtfestes und detailliertem Informationsmaterial überreicht.
Der offizielle Teil des 11. Windecker Altstadtfestes startete am 19.August 2000 mit dem seither längsten und farbenprächtigsten Umzug der Windecker Vereine. In diesem Jahr wurde das Programm wieder einmal fast ausschließlich von Windecker
Vereinen gestaltet. Auf der an ihrem angestammten Platz in der Mitte des historischen Marktplatzes platzierten Festbühne unterhielten das neugegründete Blasorchester Nidderau sowie die Moonlight Big Band die überaus zahlreichen Gäste. Für die stimmungsvolle Eröffnung des Abends sorgte zuvor die Schobse River Boat Dixie Band aus der Partnerstadt Gehren. Auch am Sonntag zeugten zahlreiche Besucher vom Reiz dieses Festes. Fünfzehn Vereine offerierten einen abwechslungsreichen Speisezettel, vier Vereine waren mit Infoständen vertreten. Wie Bürgermeister Gerhard Schultheiß bei einem Plausch bemerkte, müsse Petrus doch ein Windecker sein, denn trotz Unwetterwarnungen für das Wochenende wurden alle Beteiligten überwiegend mit Sonnenschein verwöhnt.
Erstmalig kam es im Rahmen dieses Altstadtfestes zu einem freiwilligen Speise- und Getränkeverkauf nach dem Aufbau am Freitagabend welcher aber noch eher zögerlich angenommen wurde.
Der Knaller kam im Jahre 2001 völlig unverhofft zur VGW. Da die Vergabe zur Ausrichtung des Herbstmarktes nur stockend voranging entschlossen sich der Vorstand das Geschehen selbst in die Hand zu nehmen und die Planungen für den 12./13. und 14.Oktober voranzutreiben.
Unter Federführung von Bürgermeister Gerhard Schultheiß wurden Sitzungen des Marktbeirates einberaumt, eine Vielzahl von Vorschlägen geprüft und auch gleich wieder verworfen bis sich letztendlich ein absolutes Highlight herauskristallisierte;
der Maddin sollte es sein: Martin Schneider vom Radiosender FFH, als Kultfigur Maddin in hessischen Landen unterwegs, wurde für die Gestaltung des „bunten abends“ am Samstag auserkoren.
Wie sagt man in Windecken „Wir haben Blut und Wasser geschwitzt“ aber am 13.Oktober stand das Megaevent.
550 Karten wurden verkauft, die Willi-Salzmann-Halle bis in das letzte Mäuseloch gefüllt und der Künstler hielt, was seine Vorschußlorbeeren versprachen. Über zwei Stunden Comedie, tobendes Publikum und Autogrammwünsche bis spät in die
Nacht. Natürlich ließ sich Maddin nicht Lumpen und übermittelte auch der VGW seine speziellem Grüße.
Selbstverständlich standen darüber hinaus der Fackelumzug am Freitagabend.
Diesmal mit neuer Wegführung über Pestalozzistr., Schillerring, Rathenauring, Glockenstrasse, Marktplatz, Eugen-Kaiser und Uferstraße, Kirchplatz, Heldenbergerstraße zur Willi-Salzmann-Halle- und der traditionelle Kram-Markt am Sonntag auf dem Programm. Erstmals erklärten sich hierbei auch die heimischen Gastronomen bereit das traditionelle Kerngericht „Rippche mit Kraut“ in allen Gaststätten anzubieten.
Schlusswort:
Mit der Gründung der VGW sollte kein neuer Verein geschaffen und kein „Dachverein“ gegründet werden.
Die Prinzipien:
– Offenheit für Alle
– Gleichheit für jedes Mitglied – unabhängig von der Größe des Vereins
– Hilfestellung gegenseitig -„gemeinsam sind wir stark“
haben wir zu unseren Vereinszielen gemacht.
Wir wollen mit dazu beitragen, das Leben in unserem Städtchen liebens- und lebenswerter zu gestalten. Ein besonderes Augenmerk liegt bei der Unterstützung der Jugendarbeit. Durch die breite Palette des Angebotes der Vereine und die Abdeckung aller Altersgruppen werden Alt- und Neubürgern die Chance geboten, für sich etwas Passendes zu finden. Die Vereinsgemeinschaft hilft dabei, den organisatorischen Rahmen zu gestalten und die Vereine zu vertreten.
