Nidderau: Neuer Vorstand der Vereinsgemeinschaft Windecken hat allerhand zu tun

12.08.2023, 12:52 Uhr

Von: Jan-Otto Weber

Es tut sich was in Windecken. Nicht nur, dass die Pflasterarbeiten auf dem Marktplatz weitgehend abgeschlossen sind und dieser somit voraussichtlich zum Herbstmarkt erstmals wieder als öffentlicher Ort zum Feiern zur Verfügung steht. Auch die Vereinsgemeinschaft Windecken (VGW) ist nach einer längeren Durststrecke durch die Wahl eines neuen Vorstands im Frühjahr wiederbelebt worden.

Nidderau – „Für die Zusammenarbeit mit der Stadt ist es wichtig, dass die Vereine ein gemeinsames Sprachrohr haben“, betont das neue Führungsduo, der Vorsitzende Matthias Kukol und sein Stellvertreter Alexander Waitz. „In Zeiten immer neuer bürokratischer Hürden, neuer Herausforderungen bei Planung und Durchführung von öffentlichen Veranstaltungen sowie schwindender Mitgliederzahlen sollte klar sein, warum ein gemeinsames und abgestimmtes Handeln notwendig ist.“

Ein erster Schritt zur Kooperation sei die Wiederbelebung des Marktbeirats, zu dem die Stadtverwaltung Ende Juni Vertreter der VGW, des Ortsbeirats, des Gewerbevereins und der städtischen Wirtschaftsförderung an einen Tisch geholt hatte, um über den Herbstmarkt und den Weihnachtsmarkt 2023 zu sprechen.

Das Konzept des Herbstmarktes vom 6. bis 8. Oktober sieht eine Mischung aus Livemusik, Krammarkt und Food-Trucks gepaart mit Kinderattraktionen und Familienspaß rund um die Willi-Salzmann-Halle und auf dem Marktplatz vor. Organisiert wird dies im Auftrag der Stadt von einem externen Veranstalter. Die Vereinsgemeinschaft würde gern wie in den Jahren vor Corona wieder ein Programm in der Willi-Salzmann-Halle anbieten. Denkbar wäre auch, dass sich die Vereine an Infoständen präsentieren.

Das Hauptaugenmerk liegt allerdings auf dem Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende, der erste nach Corona und Marktplatzumbau. Auch hier könnte die VGW in diesem Jahr die Willi-Salzmann-Halle bespielen, da der Organisator der Vorjahre aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung steht. „Der traditionelle Hobby- und Künstlermarkt soll zu einem Kunsthandwerkermarkt werden“, erklären Kukol und Waitz. „Zudem ist die Salzmann-Halle immer schon ein beliebter Treff gewesen, um sich zwischendurch mal aufzuwärmen.“

Noch unklar sind die Möglichkeiten der Bewirtung durch die Vereine auf dem Marktplatz. Zwar stehen dort nach der Umgestaltung im Pflaster eingelassene Stromanschlüsse für die Stände zur Verfügung. Allerdings fürchten die Vereine, dass aufgrund von Brandschutzvorschriften keine Pavillons oder sonstige Anbauten zur Essenszubereitung mehr erlaubt sein könnten. „Zur Planungssicherheit für die Vereine sollte das möglichst bis Ende der Sommerferien geklärt sein. Denn die Stadt hat um Rückmeldung der Vereine bis 15. September gebeten“, wie Kukol und Waitz berichten.

Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt die Nidderauer Stadtverwaltung, dass der vorbeugende Brandschutz beim Main-Kinzig-Kreis angesiedelt sei. Man werde die Vereine unterstützen, um zu klären, welche Bedingungen gelten, so Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne).

Doch auch unabhängig von Brandschutz- und Hygienevorschriften ist eine Wiederaufnahme des Weihnachtsmarktes unter Beteiligung der Vereine kein Selbstläufer, wie Kukol und Waitz betonen. Der bisherige zweite VGW-Vorsitzende und jetzige Beisitzer Rainer Häuser berichtet aus seiner Erfahrung, dass Vereine in der Vergangenheit bis zu 60 Dienste für die mehrtägige Veranstaltung zu besetzen hatten.

„Viele Mitglieder, die sich über all die Jahre engagiert haben, können dies aus Altersgründen nicht mehr leisten“, erklären Kukol und Waitz. Und nicht wenige Vereine haben Nachwuchssorgen oder sind nach der Pandemie noch immer nicht wieder so richtig in Tritt gekommen.

Die beiden neuen VGW-Vorstände wissen, wovon sie sprechen. Matthias Kukol ist seit einigen Jahren Sitzungspräsident bei den Schlüsselrapplern und hat in seiner aktiven Zeit als Tänzer im Männerballett 30 Jahre lang Feste und Veranstaltungen mitorganisiert. Seine Frau Angelika Strötz ist die Vorsitzende des Carnevalvereins.

Alexander Waitz ist gleich mehrfach „vorbelastet“ und nicht nur Vorsitzender der Windecker Kaninchenzüchter, sondern auch beim DRK Nidderau und bei den „Rostigen Kameraden“, der ehemaligen Reservistenkameradschaft, engagiert. Zudem ist Waitz im Vorstand des Traktorenvereins Büdesheim.

Die beiden Männer kennen sich seit Jahren, und beide sind in der IT-Branche tätig, was ihnen beim Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln und Software zur Vereinsverwaltung entgegenkommt. In der Nutzung der Internetmedien sehen sie auch eine Möglichkeit für die Vereine, sich zu modernisieren und neue Mitglieder zu gewinnen.

Zudem ruft der neue Vorstand seine Mitgliedsvereine zu einem „Zukunftsworkshop“, um Ideen und Konzepte zu entwickeln. So könnte das Brunnenfest, das früher als Anliegerfest in der Brunnenstraße gefeiert worden sei, künftig rund um den neuen Brunnen auf dem Marktplatz abgehalten werden. „Allerdings nicht bis spät in den Abend, wir wollen die Marktplatzbewohner nicht überstrapazieren.“

Wanderungen durchs „Auenland“, die Bewerbung der Ehrenamtscard des Main-Kinzig-Kreises, die Teilhabe am Wochenmarkt oder eine Vereinsbörse sind weitere Ideen. „Man sagt ja ‘Neue Besen kehren gut’“, stellen die beiden mit einer Portion Selbstironie fest. „Wir können eben einfach nicht tatenlos zusehen, wie unser Vereinsleben stirbt.“ Früher sei ein „Meier“ ein „Verwalter“ gewesen, fügt Alexander Waitz noch hinzu. „In diesem Sinn bin ich gern ein Vereinsmeier.“